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Pandemie-Bekämpfung steht am Scheideweg

25. 05. 2022

 

Laborärzte zur angekündigten neuen SARS-CoV-2-Teststrategie

 

Nach der Ankündigung des Bundesgesundheitsministers auf dem Deutschen Ärztetag, eine neue Teststrategie zu entwickeln, um einen dritten Corona-Herbst zu verhindern, sieht der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) die Pandemiebekämpfung „am Scheideweg“. Jüngste Signalsetzungen aus dem Gesundheitssystem und auch die EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostica (IVDR), die am 26. Mai in Kraft tritt, setzten die deutschen Laborärzt:innen unter Druck.

 

„Man würde erwarten, dass sich das deutsche Gesundheitssystem im Pandemieverlauf immer besser aufstellt. Das ist aber nicht der Fall. Jetzt kommt es auf den Bundesgesundheitsminister an, der verspricht, alles zu tun, damit es nicht zu einem dritten Corona-Herbst kommt“, so die Einschätzung des BDL-Vorsitzenden Dr. Andreas Bobrowski. Fünf Wochen vor dem Auslaufen der Coronavirus-Testverordnung zum 30. Juni sei unklar, ob diese verlängert wird. Die Facharztlabore benötigten jedoch personell wie materiell schnell Planungssicherheit. Fest stehe demgegenüber bereits die Vergütungsabsenkung für Coronavirus-PCR-Tests in der gesetzlichen Kranken-versicherung um fast 8 Euro zum 1. Juli 2022.

 

Durch die derzeitige Fokussierung auf Antigen-Schnelltests verschlechtere sich das Infektionsmonitoring, da viele Testergebnisse epidemiologisch nicht erfasst würden. „Man kann der Infektionsstatistik nicht mehr trauen, das ist auch in der Bevölkerung angekommen“, kritisiert Bobrowski das Zurückdrängen der laborbasierten PCR-Tests. Diese könnten tagesaktuell und vor allem lückenlos über das Deutsche Meldesystem für den Infektionsschutz (DEMIS) an das Robert Koch-Institut zur zentralen Auswertung übertragen werden.

 

In der Debatte um eine vierte Coronavirus-Impfung für gefährdete Personengruppen gebe es auf der Bundesebene nach wie vor keine Strategie zur Einbeziehung gut evaluierter Antikörper- und T-Zell-Teste, mit denen die Immunabwehr beurteilt werden könne.

 

Auch von der am 26. Mai in Kraft tretenden IVDR gehe kein unterstützendes Signal zur Pandemiebekämpfung aus: „Schlechte Antigen-Schnelltests werden wegen der verlängerten Übergangsfrist frühestens in drei Jahren vom Markt genommen.

 

Insgesamt gibt es derzeit zu viele Negativsignale. Um einen dritten Pandemie-Herbst mit allen negativen Auswirkungen zu verhindern, sind jetzt organisatorisch und finanziell weitere Anstrengungen notwendig. Dazu zählt eine Vorhaltepauschale für die medizinischen Labore in der neuen Testverordnung, damit derzeit noch einsatzbereite Testkapazitäten über den Sommer hinweg aufrechterhalten werden. Mit dem gleichen Ziel macht es durchaus Sinn, die vereinbarte Verlängerung der Impfverordnung mit der Coronavirus-Testverordnung zeitlich zu synchronisieren. So lange gezielt gegen SARS-CoV-2 geimpft wird, sollte es auch staatlich finanzierte Infektionstests geben“, so Bobrowski abschließend.