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Drastische Absenkung der Coronavirus-Testpreise in der GKV: Schlag ins Gesicht der Laborärzte

11. 06. 2020

Ein „Schlag ins Gesicht der Laborärztinnen und Laborärzte“ ist die Entscheidung des erweiterten Bewertungsausschusses, die Vergütung der SARS-CoV-2-Infektionstests für gesetzlich Krankenversicherte zum 1. Juli von 59,- € auf 39,40 € abzusenken. „Diese Entscheidung verhöhnt die Leistungen der deutschen Labormediziner. Seit Beginn der Pandemie haben wir mit sehr hohem zeitlichem, finanziellem und personellem Einsatz gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland gekämpft. Unsere Leistungen wurden weltweit als Vorbild herausgestellt“, so der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte Dr. Andreas Bobrowski (Lübeck).

 

Kaum sei die erste Schlacht im Kampf gegen das Virus gewonnen, die Infektionszahlen drastisch gesenkt und die stationäre Versorgung schwer Erkrankter gesichert, werde die laborärztliche Infektionsdiagnostik nach nur einem Quartal auf Druck der gesetzlichen Krankenkassen willkürlich um ein Drittel abgesenkt, ohne dass sich die Kostensituation grundlegend geändert habe.

 

„Dieses Signal kurz vor den vielerorts vorbereiteten Testausweitungen auch auf symptomfreie Personen in Kitas, Schulen oder Altersheimen ist fatal. Das gesellschaftliche Leben in Deutschland normalisiert sich schrittweise. Damit der ‚Exit‘ geregelt ablaufen kann, sind auch hier die Leistungen der Labormediziner gefragt. Projekte wie die Corona-Tracing-App und gezielte, extrem kurzfristig behördlich angeordnete Massentests bei  Ausbrüchen sind nur möglich, wenn laborärztliche Testkapazitäten flächendeckend, wohnortnah und damit auch sehr zeitnah abgesichert werden. Mit der jetzt beschlossenen massiv reduzierten Vergütung sind diese Projekte so nicht mehr umsetzbar. Damit wird auch der Gesamterfolg aller bisher durchgeführter Maßnahmen mehr als nur in Frage gestellt. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kolleginnen und Kollegen, die ohnehin mit sehr knappen Testmaterialien [Reagenzien, Extraktionskits] zu kämpfen haben, ihre Testkapazitäten jetzt reduzieren. Die ärztliche Beratungsleistung, die mit den Reihentests jetzt wieder zunimmt, wird uns ohnehin nicht bezahlt.

 

In der Vorbereitung der Lockerungen des Kontaktverbots sind die medizinischen Laboratorien längerfristige Verpflichtungen eingegangen wie die Einstellung von zusätzlichem Personal, Daueraufträge zur Versorgungssicherheit und gewaltige Investitionen in die notwendigen Geräte im Vertrauen auf einen fairen Kostenersatz. Die willkürliche Entscheidung des Bewertungsausschusses wird die Laborärztinnen und Laborärzte in große wirtschaftliche Not bringen, so dass sie ihrer Steuerungsfunktion in der Patientenversorgung nur noch schwer gerecht werden können“, so Bobrowski weiter.

 

Um die drohende Testkrise abzuwenden, fordert der BDL alle Verantwortlichen in Selbstverwaltung und Politik auf, die drastische Preissenkung zu revidieren. Die bisherige Vergütungshöhe soll beibehalten werden, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Sollte es wegen knapper Mittel zu Testengpässen kommen, seien nicht nur gesamtgesellschaftliche Schäden zu erwarten, sondern es werde auch ein irreversibler Vertrauensverlust in die deutsche Teststrategie entstehen.