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Heilsversprechen helfen nicht - BDL fordert realistische Einschätzung von Schnelltests

03. 11. 2020

 

Testen, testen, testen – aber nur, wo es wirklich notwendig ist, also vorrangig bei Erkrankten, Risikogruppen und medizinischem Personal. Das ist aus der Sicht des Vorsitzenden des Berufsverbands Deutscher Laborärzte (BDL) Dr. Andreas Bobrowski die richtige Antwort auf die sich wieder zuspitzenden Kapazitätsengpässe in den medizinischen Laboren bei Corona-Tests. Denn wie schon im Frühjahr seien derzeit die für das PCR-Standardtestverfahren notwendigen Verbrauchsmaterialien und Testkits auf dem Weltmarkt extrem knapp. Da in der Infektionsdiagnostik keine Abstriche bei der Qualität und beim Mitarbeiterschutz gemacht werden dürften, blieben die weiteren Ausbaupotenziale eng begrenzt.

 

Da helfe es auch nichts, Tierärzte und Industrielabore testen zu lassen, „denn alle bestellen bei den gleichen Lieferanten weltweit und machen sich die knappen Testkits und das Wartungspersonal für die Geräte gegenseitig streitig.“ Das sei gefährlich, denn die Laborärztinnen und Laborärzte benötigten die meisten Komponenten der PCR-Tests auch für andere Untersuchungen wie beispielsweise der Influenza-Diagnostik.

 

In dieser Situation wirke die Aussicht auf den baldigen massiven Einsatz von Antigen-Schnelltests wie ein Heilsversprechen. „Der Antigen-Schnelltest kann bestenfalls ein zusätzliches Schutzschild bei Alten- oder Pflegeheimen sein, das infektiöse Personen in der frühen Infektionsphase vom Besuch besonders gefährdeter alter und kranker Menschen abhält“, relativiert Bobrowski die hohen Erwartungen. Die Skepsis des BDL werde im Übrigen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geteilt, die in einer Leitlinie (interim guidance) vom 11. September 2020 Antigentests durch Laien praktisch ausschließt und darüber hinaus Umfeldbedingungen fordert, die „eigentlich nur im medizinischen Labor gegeben sind. Insofern müssen wir dem Bundesgesundheitsminister widersprechen, der bis zu neun Millionen Antigentests im Monat plant. Auch im Labor wird diese Größenordnung im Übrigen nicht leistbar sein“, warnt Bobrowski.

 

Da die Zuverlässigkeit der Antigentests „aufgrund des Testprinzips unterhalb der analytischen Sensitivität der PCR“ liegt, so das Robert Koch-Institut, müssten positive Ergebnisse im Labor durch PCR-Verfahren bestätigt werden, was jedoch zusätzliche PCR-Kapazitäten binde und den zeitlichen Vorteil der Schnelltests konterkariere.

 

Wie kann die derzeit extrem hohe Zahl bei den Laborärzten angeforderter Infektionstests verringert werden? Der Berufsverband Deutscher Laborärzte setzt auf reduzierte persönliche Kontakte im nun beginnenden teilweisen Lockdown, noch gezieltere Tests und schnellere Reaktionen auf das positive Testergebnis. Dass auch Quarantäne helfe, zeige sich in Corona-Hotspots wie Berlin. Wegen der Überlastung der Gesundheitsämter würden dort schon längst nicht mehr alle symptomlosen Menschen zeitnah getestet, die den Ämtern einen engen Kontakt zu Infizierten gemeldet haben. „Wer die Quarantäne aufgrund seiner persönlichen Lebensumstände gut aushalten kann und 14 Tage beschwerdefrei weitestgehend isoliert zuhause bleibt, leistet einen wertvollen Beitrag zur Entlastung unseres Gesundheitssystems.“ Der BDL-Vorsitzende appelliert damit an die Verantwortung jedes Einzelnen bei der Bewältigung der Pandemie. Darüber hinaus solle die Funktionalität der Corona-Warn-App schnell verbessert und der öffentliche Gesundheitsdienst intensiv verstärkt werden.