Masernschutzgesetz: Laborärzte schlagen Testung bei unklarem Impfstatus vor

Mit dem Ziel, die Masern-Impflücke bei Kita- und Schulkindern wirksam und effizient zu schließen, schlägt der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) die Einführung verpflichtender Labortests bei unklarem Impfstatus vor: Jedes Kind soll vor Aufnahme in die Kindertagesstätte bzw. mit der Einschulungsuntersuchung auf Masern-Antikörper getestet werden, wenn der Impfstatus nicht eindeutig dokumentiert ist.

Nach aktuellen Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sind derzeit nur 93 Prozent der Schulanfänger zweimal gegen Masern geimpft (Quelle: Epidemiologisches Bulletin v. 02.05.2019). Die gewünschte Mindestquote von 95 Prozent wird damit verfehlt. Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Deutschland 442 Masernfälle gemeldet – ein Zuwachs von gut 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Quelle: RKI, survstat.rki.de).

Der BDL weist darauf hin, dass die serologische Überprüfung der Masern-Antikörper in medizinischen Laboratorien mit ca. 12 Euro für gesetzlich Krankenversicherte vergleichsweise günstig erbracht werden kann. Demgegenüber ist eine verdachtsbezogene MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) etwa dreimal so teuer.

Nicht nur unter Kostengesichtspunkten ist die vorgeschaltete Testung bei unklarem Impfstatus sinnvoll: „Die Masernimpfung wird in Deutschland in der Kombination Masern-Mumps-Röteln durchgeführt. Bei diesen Lebendimpfstoffen ist es medizinisch sinnvoll, zunächst abzuklären, ob die Immunisierung bereits stattgefunden hat“, erklärt BDL-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Lorentz.

„Es gibt nachvollziehbare Gründe, warum Eltern im Einzelfall den Impfschutz ihrer Kinder nicht nachweisen können“, so der BDL-Vorsitzende Dr. Andreas Bobrowski. „Dann ist die Überprüfung im Labor eine gute Möglichkeit, Klarheit über den Impfstatus zu schaffen und die Akzeptanz etwaiger Nachimpfungen zu erhöhen.“

Hintergrund:

Die Diagnose einer zurückliegenden Masernvirusinfektion oder -impfung erfolgt durch den Nachweis von Masern-IgG (IgG = Immunglobulin G). Der Nachweis von Masern-IgG zeigt bei gleichzeitig negativem Wert für Masern-IgM (IgM = Immunglobulin M) eine zurückliegende Infektion oder Impfung an. Bei einem positiven Nachweis für Masern-IgG, gelten Patienten als geschützt. Ist beim Nachweis von negativem oder grenzwertigem Masern-IgG keine oder nur eine Masern-Impfung dokumentiert, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), den Impfschutz zu komplettieren.

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Der BDL

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte vertritt die Interessen der rund 1000 Fachärzte für Laboratoriumsmedizin in Deutschland. Innerhalb der Ärzteschaft und gegenüber der Politik setzt sich der BDL für angemessene Rahmenbedingungen ein, um die qualitativ hochwertige labormedizinische Versorgung zu sichern.