Labormedizin: „Zweite Reformstufe muss Qualität stärken“

Eine grundlegende Korrektur der Laborreform fordert der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL). Die am 1. April in Kraft getretene erste Stufe der Laborreform, mit der Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband die Finanzierung von Laboruntersuchungen neu geregelt haben, gefährde die Qualität der labormedizinischen Versorgung in Deutschland, kritisierte der BDL-Vorsitzende Dr. Andreas Bobrowski heute (23.) anlässlich des „Welttags des Labors“ in Berlin.

Es sei den Verantwortlichen für die Laborreform vorrangig um die Lösung des Honorarstreits zwischen Haus- und Fachärzten gegangen, nicht aber um die Patienten. De facto werde den zuweisenden Hausärzten und Fachärzten dank des sogenannten Wirtschaftlichkeitsbonus vor allem das Unterlassen von Laboruntersuchungen honoriert. Ein Skandal sei auch die massive Absenkung der laborärztlichen Befundungs- und Beratungsziffer um mehr als 50 Prozent. Die Reform werde so ausschließlich auf dem Rücken der deutschen Laborärzteschaft und der von ihnen betreuten Patienten ausgetragen. Damit habe die Reform ihr Ziel verfehlt, eine qualitativ bessere Laborversorgung zu erreichen.

BDL und DGKL hatten sich stattdessen frühzeitig für die Einführung diagnostischer Pfade stark gemacht, die dem behandelnden Arzt Hilfestellungen bei der Frage geben, welche Laboruntersuchung sinnvoll und angemessen ist. Dadurch hätten unnötige Leistungen vermieden und die finanziellen Ressourcen des Gesundheitswesens geschont werden können, die Qualität der Versorgung würde sogar noch verbessert.

Auch der Präsident der DGKL, Professor Dr. Matthias Nauck, hob die Bedeutung der Qualität der Laboratoriumsmedizin hervor. Der Politik, aber auch allen Ärzten müsse bewusst sein, „dass wir in Deutschland über eine sehr weit entwickelte labormedizinische Diagnostik verfügen, deren Qualitätsstandard weltweit einzigartig ist.“ Aber diese Vorgaben – wie die Richtlinien der Bundesärztekammer für die Laboruntersuchungen (RiliBÄK) – müssten überwacht werden, um zuverlässig hohe Ergebnisqualität zu gewährleisten, betonte der Präsident der wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Er begrüßt daher, dass parallel zur Laborreform auch die Qualitätssicherungs-Vereinbarung Spezial-Labor in Kraft getreten ist, durch die die Überwachung gestärkt worden sei.

Der BDL-Vorsitzende Dr. Andreas Bobrowski drängt auf eine rasche „Reform der Reform“, durch die zum einen die Fehler der ersten Reformstufe behoben, zum anderen die Entwicklung in Richtung diagnostische Pfade vorangetrieben werden sollen. „In einer nachhaltigen Laborreform dürfen keine Honoraranteile mehr für die Verhinderung von Laborleistungen oder zur Schlichtung innerärztlicher Konflikte verschwendet werden.“ Bobrowski schlug stattdessen vor, mit diesen Geldern eine E-Health-Pauschale zur Förderung der Vernetzung sowie eine Präanalytik-Pauschale für zuweisende Ärzte, mit der die Prozessqualität optimiert werden könnte, zu finanzieren.

 

Über den BDL

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) vertritt die beruflichen und wirtschaftlichen Belange der Fachärzte für Laboratoriumsmedizin auf nationaler und internationaler Ebene. Der BDL ging 1984 aus der 1956 gegründeten Arbeitsgemeinschaft der Laborärzte Deutschlands hervor. Der BDL arbeitet eng mit der wissenschaftlichen Fachgesellschaft „Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e.V.“ (DGKL) zusammen.

Über die DGKL

Die DGKL ist die führende Fachgesellschaft in Deutschland für alle medizinisch-labordiagnostischen Untersuchungen. Sie entstand im Jahr 2003 aus zwei medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften: der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie (DGKC) und der Deutschen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin (DGLM). Die DGKL repräsentiert, fördert und entwickelt die Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin in Forschung, Lehre und Krankenversorgung.

 

Kontakt:

Thomas Postina (Pressesprecher)

Telefon: (030) 280 081 – 810

E-Mail: presse@bdlev.de

Internet: www.bdlev.de

Anschrift

Berufsverband
Deutscher Laborärzte e.V.
Alt-Moabit 96
D-10559 Berlin
Web: http://www.bdlev.de
Email: buero-berlin@bdlev.de

Der BDL

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte vertritt die Interessen der rund 1000 Fachärzte für Laboratoriumsmedizin in Deutschland. Innerhalb der Ärzteschaft und gegenüber der Politik setzt sich der BDL für angemessene Rahmenbedingungen ein, um die qualitativ hochwertige labormedizinische Versorgung zu sichern.