Laborärzte plädieren für eine nachhaltige Laborreform

Berlin – Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) hat sich heute dafür ausgesprochen, die strittigen Neuregelungen der laborärztlichen Vergütung in Ruhe und ohne den Druck zu überdenken. Die Chance dazu habe das Patt zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband eröffnet, die sich bisher noch nicht auf eine Neuordnung der Laborvergütung einigen konnten.

Ziel sollte es dabei sein, unter Berücksichtigung der systemrelevanten Bedeutung der Laboratoriumsmedizin zu einer realistischen und länger tragfähigen Regelung in der Laborvergütung zu kommen, betonte der BDL-Vorsitzende Dr. Andreas Bobrowski heute auf der Herbsttagung seines Verbandes in Berlin. Der BDL fürchtet, dass bei der jetzigen Lösung, wie schon häufig in der Vergangenheit geschehen, dem Laborbereich wiederum notwendige Mittel entzogen werden sollen.

Bobrowski bemängelt den fehlenden Mut der KBV-Vertreterversammlung zu einer echten Reform, die der Qualitätsverbesserung und Erhaltung der labormedizinischen Versorgung in der Fläche dient. Stattdessen setzte die KBV auf einen Katalog von kostendämpfenden Maßnahmen, wie dem sogenannten Wirtschaftlichkeitsbonus, die sich schon in der Vergangenheit als untauglich erwiesen hätten. Dabei werde völlig außer Acht gelassen, dass sich die Laboratoriumsmedizin in den letzten 20 Jahren von einem versorgungsrelevanten zu einem systemrelevanten Fach entwickelt hat und Veränderungen auf diesem Sektor stets das gesamte Gesundheitssystem in Deutschland betreffen. Immerhin basierten zwei Drittel aller ärztlichen Diagnosen auf Laboruntersuchungen oder bestätigten sie.

Der seit Jahren andauernde Mittelabfluss aus dem Laborbereich sei nicht ohne Folgen geblieben, was sich an einem stetigen Konzentrationsprozess auf dem deutschen Labormarkt zeige und die flächendeckende, wohnortnahe Versorgung mit labormedizinischen Leistungen bereits ausgedünnt habe.

Der BDL-Vorsitzende wies darauf hin, dass ein Laborarzt mit der Honorierung seiner eigentlichen ärztlichen Leistung, nämlich der Begutachtung und Bewertung von Laborergebnissen, weit unterhalb des von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung definierten kalkulatorischen Arztlohnes bleibt. Dies und der Zwang, die für die Leistungserbringung notwendige Zahl an Laborärzten auf die wenigen, tatsächlich von den Kassen honorierten Vertragsarztsitze aufzuteilen, biete jungen Ärzten kaum Anreize, Laborfacharzt zu werden.

Der BDL-Vorsitzende erneuerte daher den bereits vor zwei Jahren vorgelegten Reform-Vorschlag seines Verbandes, wonach der sogenannte Wirtschaftlichkeitsbonus von mehreren hundert Millionen Euro, der für die Vermeidung von Laboruntersuchungen gezahlt wird, in qualitäts- und versorgungsichernde Maßnahmen umgewandelt wird. Gleichzeitig sollten sämtliche überwiesene Laborleistungen von den Krankenkassen zukünftig extrabudgetär vergütet werden.

Damit würden zum einen die Krankenkassen, wie vom Gesetzgeber vorgesehen, an der Morbidität und der demografischen Veränderung in Deutschland beteiligt. Zum anderen würde eine solche Lösung auch den schwelenden Hausarzt-Facharzt-Konflikt beenden, der sich auch an der Frage entzündet hat, aus wessen Budget wie viel für Laborleistungen gezahlt werden soll. “Dies wäre eine echte und nachhaltige Laborreform“, betonte Bobrowski.

2017-09-21 PM zur BDL Herbsttagung 2017

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Der BDL

Der Berufsverband Deutscher Laborärzte vertritt die Interessen der rund 1000 Fachärzte für Laboratoriumsmedizin in Deutschland. Innerhalb der Ärzteschaft und gegenüber der Politik setzt sich der BDL für angemessene Rahmenbedingungen ein, um die qualitativ hochwertige labormedizinische Versorgung zu sichern.